Regenpeitschen und dichte Nebelschwaden über Interlagos bildeten die Kulisse für das letzte Kapitel der Saison 2012. Thorsten, der von Rang sieben ins Rennen ging, kämpfte beim Start massiv mit dem stehenden Wasser und der Traktion. Die Bedingungen waren so tückisch, dass ihn anfangs sogar Kovalainen im unterlegenen Caterham düpierte. Kurz darauf zog auch Massa vorbei, doch Thorsten fand langsam seinen Rhythmus und holte sich die Position gegen Kovalainen dank des überlegenen Renault zurück. Während er Jagd auf Maldonado machte, ereignete sich an der Spitze die WM-Entscheidung: Sebastian Vettel rutschte spektakulär von der Strecke, schlug in die Reifenstapel ein und musste seinen Red Bull vorzeitig abstellen. Ein Schockmoment für Red Bul Racing.
Thorsten blieb jedoch fokussiert, kassierte Maldonado zur Rennmitte und lag zwischenzeitlich auf P5. Doch die Konkurrenz in Gestalt von Massa, der sich von einem Ausflug ins Grüne erholt hatte, und Webber drückte von hinten. Massa fand schnell einen Weg vorbei, gegen Webber wehrte sich Thorsten mit aller Routine. Erst in der vorletzten Runde gelang dem Australier mit einem gewagten Manöver außen herum der entscheidende Stich. Thorsten überquerte die Ziellinie im letzten Saisonrennen schließlich als Siebter.
Den Sieg sicherte sich Alonso vor Hamilton und Räikkönen während Button sowie Massa die Top 5 komplettierten. Dahinter folgten Webber und Thorsten sowie Schumacher und Ricciardo während Kovalainen den letzten Punkt für Caterham rettete. Trotz des Nullers krönte sich Vettel mit nur einem Punkt Vorsprung zum zweiten Mal zum Weltmeister, der Auftakt zu einer legendären Serie, die ihn bis 2021 mit fünf Titeln auf eine Stufe mit Alain Prost heben wird.
Hinter dem neuen (alten) Champion Vettel sortierte sich das Feld nach einem dramatischen Jahr wie folgt: Kimi Räikkönen sicherte sich den Vize-Titel, gefolgt von Button und Thorsten auf den Plätzen drei und vier. Die weiteren Top-Platzierungen belegten Massa, Alonso, Schumacher, Webber, Rosberg und Hamilton. Die enorme Leistungsdichte der Saison 2012 spiegelte sich auch darin wider, dass im gesamten Feld lediglich drei Fahrer die Saison ohne einen einzigen WM-Punkt beendeten.
Die Saison 2012 geht als eine der engsten der Geschichte in die Bücher ein: In den ersten sieben Rennen gab es sieben verschiedene Sieger.
In der Teamwertung thronte Renault an der Spitze und feierte den verdienten Konstrukteurstitel. Die weiteren Ränge belegten die Schwergewichte Red Bull, Ferrari und McLaren. Dahinter folgten Mercedes, Williams, Sauber, Force India und Toro Rosso. Am Ende des Feldes sortierten sich Hispania, Marussia und Caterham ein.
Mit dem Fallen der Zielflagge in Interlagos endete zudem die Karriere von Thorsten. Dieser hat sich im Verlauf der Saison dazu entschieden dem Nachwuchs das Zepter zu überlassen und das Kapitel F1 zu schließen. Nach 15 Saisons hinterlässt Thorsten beeindruckende Spuren in den Geschichtsbüchern: 2 Weltmeisterschaften und 3 Vize-Titel, 264 Starts mit 27 Siegen und insgesamt 95 Podiumsplatzierungen. Dazu holte er 1377 Karrierepunkte, eingefahren in 195 Punkte-Platzierungen und lag durchschnittlich auf Platz 5,24. Bei nur 28 Ausfällen sah er in fast 90 % aller Rennen das Ziel. Mit 9 Hattricks (Pole, Sieg & schnellste Runde) belegt er Platz 6 der ewigen Bestenliste.
Wenn ich heute in den Rückspiegel schaue, sehe ich nicht nur die 15 Jahre auf der Strecke, sondern ein Leben am Limit. Es war mir eine Ehre, gegen die Besten der Welt zu fahren, so Thorsten. „Von der alten Garde bis zu den jungen Wilden wie Sebastian. Dass ich heute als zweifacher Weltmeister den Helm an den Nagel hänge, erfüllt mich mit Stolz. Danke an Minardi, Jaguar, Williams, Sauber und Renault für das Vertrauen und an meine Wegbegleiter für diese unvergessliche Zeit. Es war ein wilder Ritt, aber jetzt ist es Zeit, Platz für die nächste Generation zu machen.“
Damit haben wir alle Saisons bis einschließlich 2021 komplett. Nach 72 Saisons und insgesamt 1051 absolvierten Rennen sind wir nun bei der neuen Ground Effect Äre angekommen. Es war eine Reise durch die Jahrzehnte der Formel 1, geprägt von technologischem Wandel, Tragödien und Triumphen.
Der Fokus richtet sich nun auf das Jahr 2022 und das neue technische Reglement. Wir begleiten demnächst Tsuyoshi Nakamoto, der seit 2020 im Williams versuchen wird, in diese großen Fußstapfen zu treten und seine eigene Legende zu schreiben.






