2025 – Lusail

Beim vorletzten Saisonlauf in Lusail nahm Tsuyoshi das Rennen vom zehnten Startplatz aus in Angriff und erwischte einen phänomenalen Start, bei dem er direkt auf den ersten Metern zwei Positionen von seinem Teamkollegen Sainz und Stroll abnahm. Im Anschluss klebte der Williams-Pilot am Heck von Hamilton und benötigte mehrere intensive Anläufe, ehe er sich mit einem beherzten Manöver am Ferrari vorbeipressen konnte.

Tsuyoshi hielt den Schwung aufrecht, saugte sich an das Heck von Antonelli heran und ließ auch den Mercedes-Piloten hinter sich. Da zudem Verstappen mit einem technischen Defekt vorzeitig ausschied, fand sich der Japaner bereits auf der fünften Position wieder, während Sainz auf dem achten Rang lauerte. Tsuyoshi gab sich damit jedoch nicht zufrieden, blies zur ultimativen Attacke und schloss gegen Rennhalbzeit die Lücke zu Alonso komplett. Während er den spanischen Routinier rundenlang belauerte und mehrere Angriffe lancierte, überschlugen sich an der Spitze die Ereignisse dramatisch. Sowohl Leclerc als auch der frischgebackene Weltmeister Piastri mussten ihre waidwunden Boliden vorzeitig abstellen, wodurch Tsuyoshi plötzlich auf einen virtuellen Podestplatz gespült wurde.

Nach drei Vierteln der Distanz fand der Japaner schließlich die entscheidende Lücke, ging grandios an Alonso vorbei und übernahm die zweite Position. Spitzenreiter Norris war an diesem Tag zwar eine Nummer zu schnell, doch Tsuyoshi setzte sich im Finale souverän von Alonso ab, verwaltete das Tempo fehlerfrei und feierte beim Überqueren der Ziellinie mit dem zweiten Platz sein bestes Rennergebnis seit dem sensationellen Überraschungssieg in Montreal 2021.

Hinter Lando Norris und Tsuyoshi komplettierte Fernando Alonso das Podium als Dritter, gefolgt von Lewis Hamilton, Andrea Kimi Antonelli, Carlos Sainz, Lance Stroll, Isack Hadjar, Nico Hülkenberg und Pierre Gasly.

In der Gesamtwertung schrumpft der Vorsprung des bereits feststehenden Champions Oscar Piastri auf 25 Punkte vor Lando Norris, dahinter folgen unverändert Max Verstappen, Charles Leclerc und Andrea Kimi Antonelli. Tsuyoshi zieht in der Fahrerweltmeisterschaft wieder an seinem Teamkollegen vorbei und belegt nun den achten Rang mit drei Zählern Vorsprung vor Carlos Sainz. In der Konstrukteursweltmeisterschaft macht Williams den fünften Platz vorzeitig komplett safe, während Mercedes auf dem vierten Rang den Rückstand auf Red Bull bis auf knappe sechs Punkte verkürzt.

Die Stimmung im Fahrerlager war nach diesem turbulenten Wüsten-Krimi dennoch spürbar im Keller. Lando Norris konnte sich über seinen souveränen Sieg überhaupt nicht freuen. Dem Briten war im Medienzelt die nackte Enttäuschung anzusehen, da er realisierte, dass er selbst bei einem exakt gleichen Rennausgang beim großen Saisonfinale aufgrund der weniger erzielten Saisonsiege nur punktgleich als ewiger Zweiter hinter Oscar Piastri landen würde. Es war für Norris ein „wertloser Sieg“.

Bei Mercedes bot sich unterdessen das gewohnte Bild der totalen Ratlosigkeit. George Russell verstand nach einem erneuten Rückschlag die Welt nicht mehr und klagte vor den Mikrofonen verzweifelt, warum sein junger Teamkollege Andrea Kimi Antonelli konstant dicke Punkte einfährt, während bei ihm absolut nichts zusammenläuft.

Die brutalste mediale Abrechnung fand jedoch wieder in den italienischen Sportgazetten statt. Die Gazzetta dello Sport zog hemmungslos über die Zuverlässigkeit von Ferrari her und wetterte in scharfen Berichten, warum das Team nicht in der Lage sei, Charles Leclerc ein haltbares Auto hinzustellen, wo dieser doch bewiesenermaßen im Stande ist, jederzeit um Siege zu fahren. Als absolutes Sorgenkind wurde einmal mehr Lewis Hamilton gebrandmarkt, den die Journalisten nach dem verpassten Podium trotz der zahlreichen Ausfälle an der Spitze als die größte Enttäuschung des Wochenendes betitelten.

Tsuyoshi Nakamoto