1956 – Nürburgring

Das vorletzte Rennen des Jahres verlangte den Fahrern alles ab. Thilo ging lediglich von der siebten Position seiner Klasse ins Rennen, erwischte jedoch einen hervorragenden Start und schob sich direkt auf den fünften Platz vor. Als das Feld jedoch in die engen, kurvigen Passagen eintauchte, musste er diese Position zunächst wieder abtreten und rutschte zurück. Erst nach einigen Umläufen und mehreren Passagen auf der langen Döttinger Höhe spielte der Ferrari seine Stärken aus. Thilo kämpfte sich auf den vierten Rang nach vorne und ließ dabei Moss und von Trips hinter sich.

Nun lag nur noch Bicknell vor ihm. Während der Lotus auf den bisherigen Strecken der Saison chancenlos gewesen war, wendete sich das Blatt auf der anspruchsvollen Nordschleife komplett. Auf den Geraden büßte der Lotus zwar weiterhin knapp zwanzig Sekunden ein, holte im kurvigen Labyrinth aber etwas mehr als zwanzig Sekunden wieder heraus. Für Thilo entwickelte sich die Jagd zu einem frustrierenden Geduldsspiel, da der leichtere Lotus in den Kehren einfach nicht zu knacken war. Von hinten machte zudem Salvadori Druck, bis dieser durch einen Unfall ausschied. Nach drei Vierteln der Distanz schloss schließlich Bourillot auf, drückte sich an Thilo vorbei und übernahm den zweiten Platz. Die schweren Boliden der Klasse S5 spielten zu diesem Zeitpunkt bereits keine Rolle mehr, da ihnen das hohe Gewicht auf dieser Strecke massiv zu schaffen machte.

Obwohl Thilo bis zum Schluss an seinen Vordermännern dranblieb, konnte er keinen entscheidenden Angriff mehr setzen. Da auch Bourillot an der Spitze verzweifelte, war der Weg frei für den ersten Gesamtsieg der Marke Lotus.

Bicknell feierte den Triumph vor Bourillot und Thilo, der als Dritter das Podest komplettierte. Die weiteren Ränge belegten von Trips, Maglioli, Ramos, Dumazer, Behra, Parnell, Py und Bourel.

In der Meisterschaft bleibt Thilo weiterhin an der Spitze. Die Entscheidung um den Titel ist vor dem Finale jedoch völlig offen, da Bourillot ihm dicht auf den Fersen bleibt. Dahinter folgen Maglioli, Armagnac, Swaters, von Trips und Gaze.

Thilo Neusch