Dragon Rally

Japan ist eines der Länder mit einer unglaublich reichen Geschichte und einer sehr eigenen Kultur, in der vieles anders ist, als in den westlichen Ländern. Bereits in kleinen Details merkt man, dass Japan wie eine andere Welt wirkt: Trinkgeld ist unhöflich und genauso wenig benutzt man in der Öffentlichkeit ein Taschentuch.

Dagegen entwickelte sich das Land wirtschaftlich fast zum Spitzenreiter des 20. Jahrhunderts, bevor um und nach der Jahrtausendwende ein starker Abschwung folgte, der zugleich durch Naturkatastrophen noch verschlimmert wurde und eine Deflation mit sich brachte. Das Land hat sich zwar über die letzten Jahre etwas gefangen, aber die Folgen dieser „verlorenen Jahrzehnte“ sitzen tief.

Das Land kämpft derzeit mit einer Bevölkerungs-, bzw. Geburtenkrise und verliert immer mehr Einwohner. Japan hat seit gut 14 Jahren immer weiter zurück gehende Geburtenraten und sehr wenig Migration. Dadurch wird die Bevölkerung im Durchschnitt immer älter und zugleich auch in Rekordzeit weniger. Dieser Vorgang geht so schnell, dass teilweise ganze Landstriche bereits menschenleer sind und sich die Frage gestellt wird, ob Japan als Gesellschaft noch überlebensfähig ist.

Durch die alternde und geringer werdende Bevölkerung fehlen zudem wichtige Arbeitskräfte zunehmend und die gerade abgemilderte Wirtschaftskrise droht wieder aufzublühen.

Auch wenn Japan relativ weltoffen ist, so sind die Hürden für eine Einwanderung noch immer sehr hoch. Das Land will diese Hürden zwar senken, die ersten Erfolge bleiben jedoch noch aus. Wenn der Rückgang der Bevölkerung jedoch anhält, ist es fraglich ob Japan in 10 Jahren wirtschaftlich noch relevant und in 50 Jahren überhaupt noch bevölkert ist.

Und damit kommen wir zur vorletzten Rally der Saison:

Das große pazifische Finale auf den engen Asphaltstraßen Japans begann am Freitagvormittag direkt mit einer echten Reifeprüfung über eine Distanz von mehr als 20 Kilometern. Theodor wählte angesichts der tückischen Strecke eine extrem defensive Taktik und ging keinerlei Risiken ein, wodurch er zwar deutliche 38 Sekunden auf den Führenden Ogier verlor, sich aber sicher auf dem vierten Gesamtrang positionierte. Am Nachmittag versuchte er zunächst, das immense Tempo des Franzosen mitzugehen, wurde dann jedoch durch kleinere Fahrfehler eingebremst. Theodor reagierte sofort, nahm das Tempo strategisch heraus und büßte weitere 18 Sekunden ein. Damit verteidigte er den fünften Platz im Klassement mit einem Gesamtrückstand von 57 Sekunden, wobei der Abstand nach vorne zu den Podiumsplätzen nur sechs Sekunden und das Polster nach hinten knappe zwei Sekunden betrug.

Am Samstag zog sich der Himmel über den Bergen immer weiter zu, doch das bewölkte Wetter schien Theodor zu beflügeln, denn er fand endlich seinen perfekten Rhythmus. Mit einer schnellen und absolut fehlerfreien Fahrt sicherte er sich mit einem Vorsprung von 0,7 Sekunden den Prüfungssieg und schob sich im Gesamtklassement wieder auf den vierten Rang nach vorne, während der Rückstand auf Ogier bei 56 Sekunden lag. Am Nachmittag hielt Theodor das Tempo hoch und zeigte eine starke Leistung, doch Ogier erwischte einen absoluten Sahnetag und war noch einmal drei Sekunden schneller. Dennoch festigte Theodor mit nun 59 Sekunden Rückstand seinen vierten Gesamtrang, mit einem Rückstand von 10 Sekunden auf Evans nach vorne und einem komfortablen Polster von 18 Sekunden auf Munster nach hinten.

Vor der abschließenden Power Stage am Sonntag war die Ausgangslage klar, weshalb Theodor unter dem Applaus der japanischen Fans am Streckenrand jegliches unnötige Risiko konsequent vermied, um den sicheren vierten Platz nach Hause zu fahren. Doch dafür öffnete der Himmel seine Schleusen und es begann pünktlich zur Power Stage zu regnen. Auf der letzten Wertungsprüfung verlor er dadurch zwar acht Sekunden, beendete die Rallye aber mit einem Gesamtrückstand von 1 Minute 7 Sekunden auf einem hervorragenden vierten Platz hinter dem Sieger Ogier, Fourmaux und Evans, während Munster die Top 5 komplettierte.

In der Meisterschaft rettete Theodor einen Vorsprung von 41 Punkten auf Ogier über die Ziellinie und sicherte sich damit bei nur noch 30 zu vergebenden Zählern im letzten Saisonrennen vorzeitig den viel umjubelten Weltmeistertitel. Dahinter folgen in der Endabrechnung Evans, Fourmaux, Neuville und Munster, der sich noch vor Solberg schieben konnte.

Theodor Nygard