RAC Rally

Für das Saisonfinale geht es nach Wales, einem Landesteil von Großbritannien. Wales war lange auf der britischen Insel eigenständig und unabhängig, bzw. autonom und wurde erst im 16. Jahrhundert vollständig in Großbritannien eingegliedert. Seit dem gab es immer wieder Bestreben auf Unabhängigkeit und obwohl dies Mitte des 20. Jahrhunderts zunahm, konnte man sich erst mit dem neuen Jahrtausend auf mehr Autonomie einigen.

Inwiefern die Region dadurch jedoch einen Vorteil hat, ist fraglich. Sicherlich ist die kulturelle Identität gestärkt, jedoch unzureichender Wohnraum, fehlende Heizung/Warmwasserversorgung und Ernährungsunsicherheit sind Probleme, mit denen viele Menschen in Wales konfrontiert sind. Hinzu kommt eine Wirtschaft, die sich zum Großteil auf Kohle stützt und damit keine Zukunft hat.

Wales hat aber zumindest das wirtschaftliche Problem bereits verstanden und wechselte in den letzten Jahren immer mehr auf den Tourismus. Die Branche gehört daher aktuell zu den wichtigsten Standbeinen und sichert etliche Arbeitsplätze. Dennoch bleibt Wales weiterhin abhängig von Großbritannien und da auch die Briten nach dem Brexit vor wirtschaftliche Hürden gestellt wurden, ist eine komplette Unabhängigkeit von Wales derzeit nicht sinnvoll umsetzbar. Unter dem Strich kann man die Situation daher auch gut mit Sardinien und Korsika vergleichen: Die Region würde als eigener Staat schnell untergehen und die Bevölkerung sehr stark verarmen.

Aber noch liegt Wales in Großbritannien und damit kommen wir zum Saisonfinale aller Rally Klassen:

In der WRC3 präsentierte sich das wechselhafte walisische Wetter am Freitag von seiner ungemütlichen Seite. Theodor fand im Schlamm überhaupt keinen Rhythmus und fuhr zwar fehlerfrei, aber viel zu defensiv, was ihn mit 13 Sekunden Rückstand auf den fünften Platz einreichte. Am Samstag lief es trotz einer fulminanten Bestzeit auf einer Wertungsprüfung nicht viel besser, da sich immer wieder schwere Fahrfehler einschlichen. Unter dem Frust im Cockpit wuchs der Rückstand auf bittere 40 Sekunden an, womit er auf dem fünften Rang stagnierte. Am finalen Sonntag blieb Theodor zwar fehlerfrei, fand aber auf dem seifigen Untergrund nicht das nötige Tempo und büßte auf der Power Stage weitere acht Sekunden ein. Am Ende rettete er den fünften Platz mit 50 Sekunden Rückstand ins Ziel. Gill feierte den Gesamtsieg vor Fontana, Rossi und Kazaz.

In der Meisterschaft sicherte sich Fontana mit einem Vorsprung von 26 Punkten den Weltmeistertitel vor Theodor, während Gill, Rossi und Kazaz die weiteren Plätze belegten.

In der WRC2 trotzte Thorsten den nassen Bedingungen am Freitag bravourös und steuerte seinen Boliden ohne jeden Makel zur knappen Führung mit 4,5 Sekunden Vorsprung. Der Samstag hielt jedoch ein herbes Drama bereit, als er auf einer schlammigen Passage komplett von der Strecke rutschte und sich spektakulär abrollte. Nach einer hektischen Bergungsaktion durch die Fans am Streckenrand verlor er massig Zeit und fand sich mit 15 Sekunden Rückstand auf dem sechsten Platz wieder. Am Sonntag blies Thorsten zur Aufholjagd und schob sich zunächst auf den fünften Rang nach vorne, verlor auf der tückischen Power Stage wieder fünf Sekunden. Dennoch sicherte er sich in der Endabrechnung mit 18 Sekunden Rückstand den fünften Gesamtrang beim Sieg von Jürgenson vor Dominguez, Kajetanowicz und Dapra.

In der Meisterschaft krönte Thorsten seine starke Saison und holte sich den Weltmeistertitel mit einem Vorsprung von 22 Punkten vor Dominguez, gefolgt von Korhonen, Dapra und Kajetanowicz.

In der Königsklasse WRC1 startete der frischgebackene Weltmeister Theodor am nassen Freitagvormittag sehr verhalten. Er meisterte die rutschigen Bedingungen zwar fehlerfrei, verlor mangels Risikobereitschaft aber 4,6 Sekunden auf die Spitze und reihte sich auf Platz drei hinter Fourmaux und Evans ein, während Ogier auf Rang vier lauerte. Am Nachmittag setzte starker Regen ein, in dem Theodor eine saubere Linie wählte, aber weitere drei Sekunden einbüßte. Während sich Ogier kontinuierlich nach vorne arbeitete, rutschte Theodor mit 7,6 Sekunden Rückstand auf den vierten Gesamtrang ab.

Der Samstag entwickelte sich im dichten walisischen Nebel zu einer extremen Rutschpartie. Auf den nassen Pisten schlichen sich bei Theodor viele kleine Fahrfehler ein, die sich im Ziel auf einen heftigen Zeitverlust von 22 Sekunden summierten. Damit stürzte er auf den siebten Platz ab und lag im Gesamtklassement 29 Sekunden hinter der Spitze, mit vier Sekunden Rückstand auf Pajari nach vorne und sechs Sekunden Polster auf Greensmith nach hinten. Am Nachmittag trockneten die Strecken ab und Theodor lag bei den Zwischenzeiten zunächst gleichauf mit der Spitze, bis ihn ein heftiger Dreher erneut einbremste. Nach acht verlorenen Sekunden blieb er auf dem siebten Gesamtrang mit nun 37 Sekunden Rückstand hängen, wobei die Abstände zur Konkurrenz nach vorne neun Sekunden und nach hinten acht Sekunden betrugen.

Am Sonntagmorgen präsentierte sich das Wetter zunächst trocken und Theodor zeigte eine tadellose Leistung ohne jeden Fehler, bei der er lediglich eine Sekunde auf die Bestzeit verlor. Er festigte den siebten Rang und verkürzte den Abstand nach vorne auf vier Sekunden, während das Polster nach hinten auf komfortable 15 Sekunden anwuchs. Vor der abschließenden Power Stage öffnete der Himmel jedoch wieder seine Schleusen. Auf der rutschigen Strecke leistete sich Theodor leichte Fehler, konnte sich aber wieder fangen. Nach Platz 12 auf der Wertungsprüfung und sieben Sekunden Zeitverlust beendete er die Rallye auf dem siebten Gesamtrang mit einem Rückstand von 45 Sekunden auf den Sieger Fourmaux, der vor Evans, Ogier, Rossel, Neuville und Pajari triumphierte.

In der finalen Weltmeisterschaftstabelle stand Theodor natürlich schon vorher als Champion fest, während Fourmaux, Ogier und Evans die Plätze dahinter sicherten. Munster schnappte sich noch P6 von Solberg, dahinter folgten Rossel, Katsuta und Pajari.

Theodor Nygard