Lauf 1

Das Qualifying für das erste Rennen der DHC auf der VLN Variante der Nordschleife verlief für Thomas Neugärtner im Bonsai Godzilla sehr vielversprechend. Thomas sicherte sich den zweiten Startplatz in der Klasse 24 während sich Stursberg im Porsche RSR standesgemäß die absolute Pole Position für das gesamte Starterfeld holte.

Direkt nach dem Start entbrannte ein harter Kampf in der Klasse und Thomas musste sich bereits im ersten Stint dem schnellen VW Golf von Kamm geschlagen geben. Der Nissan verlor pro Runde ein paar Sekunden auf den Spitzenreiter. Kurz darauf geriet Thomas unter Druck von König, der im Porsche 944 aus der Klasse 27 heranstürmte. Thomas hielt jedoch erfolgreich dagegen und konnte den Porsche hinter sich halten. Wenig später tauchte Verhoeven im Opel Kadett auf, der in der gleichen Klasse wie Thomas fuhr. Der Opel war an diesem Tag extrem schnell und zog fast spielerisch am Nissan vorbei. Thomas ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen und beendete den ersten Stint über die maximal erlaubte Stintdauer von fünf Runden absolut sauber.

Als der Wagen zum Boxenstopp kam, bemerkte das Team jedoch ein großes Problem. Die Reifen kühlten selbst auf der langen Döttinger Höhe nicht ab und befanden sich nach dem Halt immer noch mitten im optimalen Leistungsfenster. Das bedeutete, dass die Reifen auf der Strecke viel zu heiß wurden und die Hitze nicht mehr abgeben konnten. Da ein Reifenwechsel während des Rennens aus Sicherheitsgründen und zur Kostenbegrenzung verboten ist, stellte dies das Team vor eine schwere Aufgabe für den weiteren Rennverlauf.

Im zweiten Stint holte Keutmann in einem weiteren VW Golf schnell auf den Nissan auf. Thomas merkte auf den fünf Runden immer mehr, wie die überhitzten Reifen auf dem Asphalt schmierten. Ohne den nötigen Grip hatte er keine Chance auf Gegenwehr, gab den Platz vernünftigerweise her und musste zusehen, wie die Rundenzeiten langsam einbrachen.

Der dritte Stint wurde durch die erwarteten Überrundungen der schnelleren Topklassen noch komplizierter. Das ständige Platzmachen kostete Thomas zusätzliche Zeit und selbst bei freien Runden fehlten dem Wagen bereits sechs bis sieben Sekunden auf die eigentliche Rennpace. Gegen Ende dieses Stints tauchten erneut die Porsche 944 von König und Müller im Rückspiegel auf. Mit den stumpfen Waffen der rutschenden Reifen konnte sich Thomas auch gegen diese Fahrzeuge nicht mehr wehren.

Für den letzten Stint blieben nur noch drei Runden zu fahren. Thomas geriet wieder in Zweikämpfe mit den beiden Porsche, ließ sie aber schließlich vorbei, um kein unnötiges Risiko einzugehen. Er brachte den unbeschädigten Wagen lieber sicher ins Ziel und beendete das Rennen auf dem vierten Platz in der Klasse 24. Die Rundenzeiten waren am Ende sogar knapp zehn Sekunden langsamer als zu Beginn des Rennens, aber immerhin konnte Thomas den Renault Clio und den VW Scirocco aus der eigenen Klasse hinter sich halten.

Das technische Fazit des Wochenendes fällt gemischt aus. Das Fahrwerk des Bonsai Godzilla ist zwar nicht übermäßig sportlich, aber dafür sehr gutmütig und verzeiht das harte Überfahren der Curbs perfekt. Zudem liegt das Auto bei hohem Tempo absolut stabil auf der Straße. Der Motor, das Getriebe und die Bremsen arbeiteten in typischer Nissan Manier fehlerfrei und zeigten kaum Verschleiß, während der Wagen ohne einen einzigen Kratzer blieb. Thomas konnte sich gut an das Auto gewöhnen und fand über das Wochenende stolze fünfzehn Sekunden auf einer Runde. Dennoch fehlen im Renntrimm noch sechs Sekunden auf den Golf und sogar 15 Sekunden auf den extrem schnellen Kadett.

Es gibt bis zum nächsten Lauf noch einiges an Verbesserungspotenzial am Fahrzeug. Die Reifen werden schlecht gekühlt und die Bremsbalance ist noch zu weit vorne eingestellt. Zudem kommen die Hinterreifen kaum in ihr nötiges Arbeitsfenster und die Fahrzeugbalance verschiebt sich mit leerer werdendem Tank zu stark auf die Vorderachse. Ein weiteres kleines Problem ist die Tankanzeige, die viel zu früh aufleuchtet.

Die Radlasten lassen sich vor dem Winter nicht mehr korrigieren, weil dafür das gesamte Fahrwerk umgebaut werden müsste. Die Anpassung der Bremsbalance und der Tankanzeige sind dagegen leichte Aufgaben für Thomas. Er will vor allem das Kühlproblem der Reifen bis zum nächsten Rennen dringend angehen. Allein dieser thermische Zeitverlust hat über die Renndistanz ungefähr anderthalb Minuten gekostet und eine Lösung würde den Bonsai Godzilla im nächsten Lauf nah an die Gesamtzeiten der Golf heranbringen.

Thomas Neugärtner